PROGRAMM

Termin Informationen:

  • BESETZUNG

    Die Besetzung der Hafenstraße 7

     

    Statement

    In Halle fehlt es an allen Ecken und Enden am Nötigsten. Die Stadt steht seit Jahren kurz vor der Zwangsverwaltung. Sie kürzt unseren Arbeitgebern, Universitäten, Vereinen und Initiativen immer mehr Geld. Sie verabschiedet Haushalte in denen unsere Bedürfnisse einfach übergangen werden und spielt Demonstrationen herunter oder versucht sie aufwendig zu unterbinden. Bildung, Kultur, Integration gehen den Bach runter. Ordnungsämter und Polizei reglementieren selbstbestimmtes Leben auf ein auf Stadtpolitik reduziertes konformes Leben. Immobilien werden großflächig gewinnbringend saniert oder verkauft und dann teuer saniert oder stehen leer und dienen als Spekulationsobjekte. Bezahlbare Räume werden knapper und knapper und jedes selbstbestimmte Leben wird schon im Voraus eingeschränkt.

    Aber nicht nur die Stadt kürzt am Geld unserer Projekte, was das Zeug hält und was tausende Menschen, Studenten und Professoren der Uni seit Jahren etwa als Bildungsnotstand beklagen. Durch HartzVI, Leiharbeit und Ausbeutung

    am Arbeitsplatz und an der Uni werden nicht nur bezahlbare Räume knapper, ebenso werden unsere Löhne knapper oder fallen ganz weg. Jeder fünfte in Sachsen-Anhalt ist von Armut bedroht, die Kinderarmut in Halle steigt seit Jahren kontinuierlich in immer unfassbarere Höhen.
    Das hat Folgen. Geflüchtete werden trotz des politischen Engagements in Halle immer weiter in gesellschaftliche Randbereiche gedrängt und erfahren Isolation statt Integration. HartzVI Empfänger werden unter immer fadenscheinigeren Begründungen mehr und mehr in Randbezirke der Stadt abgedrängt. In der Silberhöhe und in Neustadt kommen menschenfeindliche Ideologien immer mehr zum tragen. Sie widerspiegeln sich in geschmierten Hetzparolen, öffentlichen Demonstrationen und Hetzjagden auf andersdenke Menschen. Leben wird zur Hölle.

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    Wir haben entschieden uns diesen Entwicklungen entgegenzustellen. Wir werden uns organisieren und Menschen unterstützen, die unter diesen Sachzwängen leiden, und wir werden uns jeglicher sogenannten Leitkultur entgegenstellen. Wir werden Initiativen und Vereine ins Leben rufen, um uns eine sichere Basis zu geben und uns vor Repressionen zu schützen.

    Wir werden uns nicht dem Common Sense anschließen, der die hohe Leerstandsquote in Halle ignoriert und dem Immobilienmarkt zur Kapitalverwertung freigibt, sondern sehen sie als Chance ein Zeichen zu setzen. Der Platz, den wir brauchen, ist schon da. Wir haben ein seit langem ungenutztes Haus geöffnet und werden jetzt beginnen es mit Leben zu füllen. Wir wollen es in einen Raum verwandeln, der [im Unterschied zu den analysierten Stadträumen] für alle frei zugänglich ist, wo sich alle Wohlfühlen und frei entfalten können, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Fähigkeiten oder Geldbeutel.

    Wir werden den Möglichkeiten keine Grenzen setzen und den Grenzen keine Möglichkeiten. Wir brauchen: Projekträume zur freien und unkommerziellen Nutzung für verschiedene Gruppen, wir brauchen Werkstätten, Unterrrichtsräume, Lesecafés, Infrastruktur für Geflüchtete, oder wofür ihr schon immer einen Platz gesucht habt. Wir wollen uns treffen, helfen, bilden, wir wollen kochen, nähen, schrauben, lieben und hassen, laut diskutieren und leise anschweigen, neue Seiten kennenlernen und alte Seiten verspielen. Wir wollen es tun und wollen es lassen um der Sparpolitik und dem allgemeinen Gegeneinander des Konkurrenzapparats entgegenzuwirken und die Verhältnisse zum tanzen zu bringen.

    Weil wir Leben wollen wie wir wollen, stehen wir unverbunden nebeneinander und erschaffen Leben. Wir erklären uns zuständig für Dinge die uns nichts angehen, und wir sind radikal zuvorkommend. Wir lassen uns nicht verwalten, nicht einschüchtern und verdrängen, wir sind mehr als eine Funktion im Leben der Bürokratie und mehr als lebendige Bürokraten."

    Presseerklärung

    Initiative besetzt Haus in der Hafenstraße in Halle

    Halle, 05.01. 2016 – Die Initiative „Wir brauchen Platz“ hat heute in der Hafenstraße ein seit Jahren leerstehendes Haus besetzt. Die Aktivisten fordern soziale Räume zur freien und unkommerziellen Nutzung.

    Am 5. Januar besetzten Aktivisten der Initiative „Wir brauchen Platz“ ein seit Jahren leerstehendes Haus. Die Initiative besteht aus sozial und politisch engagierten Menschen aus Halle die auf soziale Missstände aufmerksam machen.
    Das Gebäude in der Hafenstrasse 7 ist Eigentum der Halleschen Wohnungsgesellschaft und steht seit Jahren leer. Es liegt nahe der Saale in der westlichen Innenstadt.
    Jetzt sind die Türen geöffnet. Angedacht sind Projekträume zur freien und unkommerziellen Nutzung für verschiedenste Gruppen: Werkstätten, Unterrichtsräume, ein Lesecafé, Infrastruktur für Geflüchtete, Büro-, Arbeits- und Seminarräume für Initiativen, die keinen Platz haben.
    Es ist ein breites Programm von Vorträgen, Workshops, Kunst und Musik vorbereitet. Die Initiative freut sich über Zuwachs und Interessierte die Lust haben sich und das Projekt weiterzuentwickeln.
    Es soll ein Ort entstehen der zur freien Entfaltung einlädt, unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft, sexueller Orientierung, Fähigkeiten oder Geldbeutel.
    Auf ihrem Blog www.wirbrauchenplatz.tumblr.com schreiben sie:

    „Wir wollen den Möglichkeiten keine Grenzen setzen und den Grenzen keine Möglichkeiten.“

    Die Aktivisten veröffentlichten ein Schreiben: „Die hohe Leerstandsquote in Halle sehen wir nicht als Problem, sondern als Chance. (…) Während die HWG den Rückbau verwaltet, um den Markt zu verknappen und entsprechend mieten zu kassieren, stellen wir uns gegen diese Verwertungspolitik. Leerstehende Gebäude werden als Investitions- und Spekulationsobjekte genutzt, gleichzeitig fehlt es an gemeinschaftlich genutzten, selbstverwalteten Räumen.“ Weiter sagen sie: „In einer Zeit, in der viele staatliche Aufgaben zum Großteil von selbstorganisierten Initiativen übernommen werden, kann es nicht möglich sein, dass die notwendige Infrastruktur nicht zur Verfügung gestellt wird.“

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Ausschlussklausel Ha7, Capuze e.V.

Die Vereinsmitglieder des Capuze e.V. behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen auszuschließen, die sich rassistisch, faschistisch, nationalistisch, antisemitisch, homo/transphob, sexistisch oder sonst menschenverachtend und diskriminierend verhalten, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, der rechtsextremen Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistisches, faschistisches, nationalistisches, antisemitisches, homo/transphobes, sexistisches oder sonstiges menschenverachtendes und diskriminierendes Verhalten in Erscheinung getreten sind.

Veranstalter*innen und Teilnehmer*innen der Montagsdemonstration sind ausgeschlossen.
Ausschlussgrund ist ebenso das Tragen von Marken und Kleidungsstücken, die der rechten Szene zu zuordnen sind oder deren Inhalte, Symbole und Codes abbilden.
Wir schließen Personen aus, die Strukturen unterstützen, fördern, reproduzieren oder befürworten, die unseren Grundsätzen widersprechen.
Menschen, die innerhalb des Hauses und des Geländes gegen den im Haus beschlossenen Handlungskonsens verstoßen, oder diesen nicht umsetzen, werden ausgeschlossen.

Menschen, auf die oben genanntes zutrifft ist der Zutritt zur Hafenstraße 7, dem Haus und dem dazugehörigem Gelände verwehrt bzw. werden verwiesen.